Sonntag, 20. Juli 2014

[Papier] Kim Harrisson - Blut... Die Rachel-Morgan-Reihe


 


Richtig, ich bin keine eReader-Besitzerin, dafür habe ich unheimlich starke Schultern, denn in meinen Schultertaschen ruhen gerne Bücher!

Die Rachel-Morgen-Reihe von Kim Harrisson umfasst derzeit 11Bände - und ich habe sie alle!

[...und durch das tolle, einheitliche Augen-Design machen sie sich auch ganz phantastisch in eurem Bücherregal!]

Die Bücher erscheinen als Taschenbuchversionen im Heyne Verlag und kosten bei ca. 700 Seiten 14,99€ in Deutschland [Buchpreisbindung, yessss!].
http://kunterdunkle.blogspot.de/2014/03/mottomonat-in-bloomig-mit-kiko-839-838.html 
Ja, ich kann mich eigentlich nur schwer für Serien begeistern
[Irgendwie wird es doch immer Schema F: Mädchen gerät in Abenteuer, Mädchen ist oh-so-special, Mädchen trifft guten Jungen, Mädchen trifft bösen Jungen, Verwirrtheit, Happy End...im nächsten Buch dann wieder von vorn...],
doch mit Rachel Morgan ist es ganz anders.

http://kunterdunkle.blogspot.de/2014/04/astor-hot-plump-essence-time-for.html

Warum?
Sie ist "normal"!
Soweit eine Hexe, ehemalige Runnerin der Inderland Security, nun mal "normal" sein kann.
Sie ist nicht allzu romantisch verklärt und hat auch keine "Ihr könnt mich alle mal"-Einstellung:
Sie ist authentisch.
Das ist für mich einer der größten Unterschiede zu anderen Mystery/Romance/Spannung/wasweißich-Reihen: 
Sie handelt [nicht immer] für das größere Wohl, den Plan, der die Welt zusammenhält. Nein. Ihre Handlungen sind logisch und nachvollziehbar [Sie nimmt nich den rührseligen Vampir, obwohl sie den viel spannenderen Werwolf haben könnte!].
Und da kommen wir auch schon zum nächsten, wichtigen Aspekt: 
Sie ist eine junge Frau [kein Mädchen, kein heranwachsender Teenager]. 
Sie verhält sich auch wie eine junge Frau und hat Verhältnisse wie eine junge Frau.
Natürlich wird es auf der Gefühlsebene hier und da auch schon mal ein wenig verwirrender, denn nicht jeder Kerl ist ein Glücksgriff und nicht jeder Beau ein Held, doch bleibt es auch hier irgendwie nachvollziehbar. Menschlich.

Vielleicht erst noch einmal zum Drumherum:
Die Geschichte / Geschichten [Eigentlich ist es eine große und großartige, dazu später mehr] spielen im Cincinnati einer Art Parallelwelt: 
Wie in anderen Geschichten auch gibt es Hexen, Vampire, Werwölfe, Pixies, Fairys... 
Doch im Gegensatz zu den ganzen Heimlichtuereien wie in Buffy: Hier weiß jeder Bescheid!

Die Menschheit erfuhr während einer von genmanipulierten Tomaten ausgehenden Virus, der einen Großteil der "Normalbevölkerung" dahinraffte, von der Existenz der Wesen, die sie in der Märchenwelt vermuteten: Den Inderlandern. 
[Das Mischmasch aus Deutsch und Englisch macht hier übrigens einen großen Charme der Erzählungen aus.]
Dieses Ereignis wird als Der Wandel bezeichnet und kommt dann auch laufend noch in vielen Redewendungen vor: Ach, scher' dich zum Wandel! - Geh' und wandel dich!
Seit dem Wandel also [vor ungefähr 30 Jahren] leben die Inderlander und die "Normalbevölkerung" mal mehr, mal weniger friedlich nebeneinander her. [Der Rest der Geschichte ist relativ gleich zu der unsrigen, bis auf ein paar Anspielungen, zu welchen Ereignissen die Inderlander maßgeblich beigetragen haben].

Es werden zwei große Polizeiapparate zusätzlich gebildet, die jeweils für ihre eigenen Rassen zuständig sind:
Die Inderland Security IS und das FIB, das Federal lnderlander Bureau.
Natürlich ist alles geregelt: Vampire dürfen nur mit einer Lizenz beißen, es gibt Gegenden für Inderlander, Zauber und Zauberstücke für jede Gelegenheit:
Und sie werden alle genutzt. Und das völlig selbstverständlich oder selbstverständlich misstrauisch beäugt.
Hier entsteht der Reiz der Rachel-Morgan-Welt.
Es wird nicht entwickelt, es wird vorausgesetzt. Es gibt Magie. Es gibt Hexen und Vampire. 
Es muss nicht groß erklärt werden. 
Beinahe beiläufig wird der Leser in diese Parallelwelt eingeführt und mit ihr vertraut gemacht. 

Hier liegt meines Erachtens nach auch eine Stärke der Buchreihe: 
Es wird nicht ständig wiederholt.
Die Bücher bauen systematisch aufeinander auf und nur in kurzen Passagen wird ein Abriss von maximal zwei Seiten gegeben [Was bisher geschah...], dies ist aber ebenfalls in die Geschichte eingebettet und kann getrost überlesen werden - wir wissen ja schließlich Bescheid!
[Hier könnte man auch eine kleine Schwäche vermuten: Quereinsteigern mag es etwas schwerfallen...doch ihr habt ja auch nicht mit "Den zwei Türmen" angefangen, sondern "Die Gefährten", oder?]

Rachel Morgan
Wir werden also in eine Geschichte "geworfen", keine großes Palaver, einfach mittenrein, ein wenig Abriss und schon sind wir mitten im Auftrag von Rachel Morgan, der Runnerin der IS.
Runner bedeutet in diesem Zusammenhang so viel wie "Super Special Agent", sie ist dazu ausgebildet worden, andere Inderlander aufzuspüren und zu verhaften. 
Ganz dem Klischee entsprechend trägt sie als Hexe wildes, rotes Haupthaar - und einen Pixie namens Jenks im Ohrring. 
Pixie?
Und hier geht es los: Dieses "feengleiche" Wesen ist ihr Partner bei dem Auftrag, ebenfalls angestellt bei der IS - und so gar nicht auf den Mund gefallen. Als eine Art "Mini-Peter-Pan" begleitet er Rachel auf Aufträgen und später auch in die Selbständigkeit, zusammen mit einer Horde von Kindern und einer liebreizrenden Ehefrau, die so lebhaft beschrieben werden, dass sie einem sofort ans Herz wachsen [und die klingenden Stimmen sofort hört, sowie das farbenfrohe Farbspiel beinahe sehen kann].
Doch er hat eine Klappe am Kopp!
Frivol wird es nicht, doch ganz schön frech und anzüglich. 
An diesen Ton kann man sich schon einmal gewöhnen, denn weder Rachel, noch der Pixie nehmen ein Blatt vor den Mund.
Nicht wirklich vorweggenommen an dieser Stelle: Rachel quittiert zusammen mit Jenks und Ivy, einem lebend geborenen Vampir, den Dienst und macht sich selbständig - mehr kann ich gar nicht vorab erzählen, denn das würde in zu viele Spoiler-Attacken ausarten.
Nur kurz: Dies sind unsere drei Haupakteure, die Dreh- und Angel-Punkte der Geschichten werden.
Nebenbei tauchen allerdings auch noch viele weitere Personen auf: Erst einmal Randfiguren, wachsen sie über Bände und Zeiten zu mehr oder weniger wichtigen Hauptfiguren heran. Ob Dämonen, weitere Vampire, andere Hexen - wir lernen eine ganze Menge Figuren kennen und lieben - oder hassen.
Denn eines sind die Figuren allesamt: Charismatisch und authentisch, nicht wirklich vorhersehbar [nur so ein ganz klitzekleines bisschen] und nachvollziehbar. Auch den dunkelsten Schurken kann man irgendwie verstehen ohne das gleich ein Gefühl von allgemeiner Befriedung und erzwungenen Happy Ends entsteht. 

Auch treffen wir Bekannte zwischen den Bänden immer wieder: Nehmen sie am Anfang nur eine Randposition ein, so werden sie später einmal von nachhaltiger Bedeutung, wogegen scheinbar wichtige Personen überhaupt nicht mehr genannt werden.


Ja, worum geht es denn jetzt eigentlich und überhaupt?
Rachel Morgan quittiert den Dienst noch im ersten Band und gründet mit Ivy und Jenks einen Runner-Service, eine Art "Detektiv-Büro" der besonderen Art: Ihre Türen [der alten Kirche, die sie angemietet haben und bewohnen] steht jedermann offen und so fangen die meisten Geschichten an: Mit einem kleinen Auftrag, der ungeahnte Tragweite erreicht - oder der Auftrag geschieht nur am Rande, denn es ist eine große, umfassende Geschichte vorhanden:
Im ersten Band schon hat Rachel Kontakt mit einem Dämon, was sich durch alle Bände zieht.
Die "düstere Vergangenheit", von der der Klappentext spricht, ist weit verzweigter, als man eigentlich meint, denn auch die Inderlander waren nicht untätig, was die Erforschung von DNA betrifft und so wird ziemlich schnell klar, dass auch mit Rachel irgendwas irgendwie nicht stimmt.
Als Übergeschichte versucht Rachel also das Geheimnis ihrer Vergangenheit zu lüften, nebenbei versucht sie zu vermeiden, nicht das Futter ihrer Mitbewohnerin zu werden und nebenbei noch dem Dämon zu entkommen.
Klingt doch alles ganz einfach, oder?

Hier ist auch der einzige Kritikpunkt für mich zu finden: 
Ivy, die lebende Vampirin, die enthaltsam lebt, ist ein wenig überspitzt dargestellt. Ihre Triebe scheinen sie dermaßen zu beherrschen, dass sie kaum zu bändigen sind. Hier sehe ich einen Schwachpunkt: Wenn Vampire solche Schwierigkeiten haben, sich zu kontrollieren, wie konnten sie all die Jahre unentdeckt bleiben?
Natürlich nur durch die Inderlander-Strukturen und Vertuschungen, schon klar...will mir nicht so ganz einleuchten. 


Und wie liest es sich?
Flüssig.
Es ist keine schwermütige Nobelpreisliteratur und es finden sich auch die ein oder andere Holprigkeit, doch macht das mehr das Gefühl für die Geschichte und die Figuren aus:
Denn den Stereotypen gibt es einfach nicht.
Jeder hat Ecken und Kanten, Geheimnisse und Intrigen.
Es liest sich leicht und selbst die "romantischen Eskapaden" sind so geschrieben, dass einem nicht die Schamesröte ins Gesicht steigt vor lauter Fremdschämen oder Gedanken an 50-Shades-of-Shame kommen.

Ihr merkt schon, ich kann auf die Geschichte gar nicht weiter eingehen, bin aber total begeistert!
Um nicht zu viel zu verraten, nur so viel: Wenn ihr Interesse an Parallelwelten für Erwachsene habt: Lest es!

Kommentare :

  1. Klingt sehr sehr spannend! Ich werde mir bestimmt mal den ersten Band besorgen, vielen Dank für deinen Tipp!

    Deiner Schilderung nach klingt es etwas nach meiner Lieblingsreihe "Die Schwestern des Mondes" von Yasemin Galenorn. Da geht es auch um eine Vielzahl von Fantasiewesen die wissentlich unter den "Normalen" wandern. Und es gibt natürlich auch einen Geheimdienst nur für diese Wesen ;)

    Ich werd mich mal überraschen lassen inwieweit sich die Reihen ähneln. Aber wäre gut mal eine andere Reihe wieder zu haben, ich muss auf meine Fortsetzungen immer so lange warten :((

    PS: ich habe auch einen kleinen Fetisch was gute Optik im Bücherregal angeht *g*

    Liebe Grüße,
    Sarah

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  2. Danke, dass du die Reihe mal näher vorstellst! Die hat ja irre viele Bände inzwischen! Ich habe sie vor Jaaahren mal bei einer damaligen Freundin gesehen, da gab es erst die ersten drei Bände und ich dachte, das wäre nur eine Trilogie.^^
    Fantasy ist eigentlich nicht so meins, darum werde ich die Bücher wohl trotzdem nicht lesen, aber sie hören sich sehr interessant an und ich finde es immer toll, wenn Autoren ihr eigenes Ding machen, anstatt sich dem allgemeinen Trend anzupassen und dasselbe zu schreiben, wie jeder andere... :)

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    1. Naaaa, so "richtig" Fantasy ist es ja gar nicht, nur so ein bisschen ;)
      Und ein "eigenes Ding" ist es auf jeden Fall, sehr speziell =)

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  3. Och Mensch, das klingt ja gar nicht mal uninteressant! Wobei ich bei romantischen Eskapaden gerade ein bisschen gestutzt habe - die nehmen aber nicht die Hälfte des Buchs ein, oder? :x Ich muss mal beim nächsten Bücherladen schauen, ob ich da nicht mal reinlesen will...

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    1. Naja, wir sprechen hier nicht von romantischen Eskapaden wie: "Sie schmolz in seinem warmen Glanz dahin"...
      Nein!
      Wir sprechen von Begehren, Leidenschaft, Austausch von Körpersäften!
      Irgendwo zwischen Twilight und 50 Shades, eben ganz normal :]
      [Also auch nicht überwiegend vertreten, nicht so "typisch Frauenbuch", sondern einfach, wenn die Gelegenheit sich bietet ;) Ab und an, es ist deutlich nicht das Hauptaugenmerk]

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    2. Okay, so lange sich das nicht seitenlang zieht, kann ich damit leben (und 50 Shades hab' ich gar nicht erst gelesen^^)! Ich schaue mal, ob ich demnächst eins zum Reinschnuppern finde :)
      (Und ich bin ja auch der Ansicht, dass man sich mit Büchern verteidigen können muss :P GO PAPIER!)

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    3. Ne, eigentlich nicht, kurz und knackig XD

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  4. Den ersten Band habe ich auch schon gelesen und fand ihn ganz gut. Mal sehen ob ich es noch schaffe die anderen umzusetzen holen. Neben Schwestern des Mondes und Black Dagger lese ich auch noch die Kluftinger-Romane und Fallen Angels da hab ich immer genug zu tun ; )

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    1. Das klingt ja nach vielen Serien :D
      Lohnen sich die Black Dagger? Die hatte ich bisher nur in der Buchhandlung gesehen.

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    2. Also ich sage ja, wenn Du:
      - auf Action zusammen mit nicht kitschigen Lovestories stehst. Ja wirklich!
      - kein Problem mit 'eindeutigen' Szenen in den Büchern hast
      - mal Vampire kennenlernen möchtest, die nicht in der Sonne glitzern :)

      Ich persönlich bin eingestiegen als es ca 10 Bände gab und hatte sie ratzfatz alle daheim. Die neueren sind immer vorbestellt sobald ein neuer Termin steht.
      Will auch nochmal eine Review schreiben, aber dafür brauch ich echt Zeit und Muße, denn da gibts schon ein bisschen was zu schreiben.

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  5. Richtig so, Bücher sind nur Bücher wenn sie schwer sind und weh tun, wenn man sie an den Kopf kriegt. :D
    Ich hab auch festgestellt, dass ich mittlerweile nicht mehr diese Ich-bin-so-ein-Teenie-Fantasy Bücher lese, sondern eher erwachsenere Charaktere bevorzuge. Außer bei ein bis zwei Autoren, die schreiben dann aber auch nie nur Jugendbücher, sondern eh eher viel für 25-30 jährige.
    Wenn ich Zeit und Musse habe, les ich mal rein. c:

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    1. Wir sind die totale Zielgruppe :D Ich würde es auch in der Altersspannung einordnen, eben weil [s.o. :D] Körpersäfte zwar ausgetauscht werden, doch auch alles eben ein wenig bodenständig ist.
      Ich bin auf deine Meinung gespannt =)

      [Und richtig so: Bücher müssen Nahkampfwaffen evtl. auch Fernkampfwaffen sein ;)]

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  6. Noch jemand, der alle hat. Ich hab es leider nur bis Band 9 geschafft, dafür aber nur für einen Bruchteil und alle auf einmal xD
    Die hat mal jemand verkauft. jetzt müssen nur noch die anderen Bände her. Und ich habe mir vorgenommen, die mal wieder alle nacheinander zu lesen. Die ersten zwei oder drei habe ich zwischen Weihnachten und Neujahr verschlungen ^^

    LG,
    Claudi

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    1. Dabei behaupte ich immer, ich habe sie nicht mehr alle ;)
      Ich bin ja auch dabei, noch einmal alle zu lesen - und ich frage mich jedes Mal: Warum lese ich sie nicht öfters?! :)

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    2. Nee, ich hab sie ja nicht alle ;-)
      Aber ja, geht mir ähnlich. Aber da gibt es noch so viele Bücher, die gelesen werden wollen.

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Vielen Dank ^.~